Digitale technische Dokumentation im Praxistest – ein Fallbeispiel zur rechtssicheren digitalen Betriebsanleitung
- 23. März
- 3 Min. Lesezeit
Die digitale Technische Dokumentation beschäftigt viele Hersteller. In Beratungsgesprächen hören wir häufig dieselbe Frage: Müssen wir noch gedruckte Anleitungen liefern – oder dürfen wir bereits komplett digital arbeiten?
Die Rechtslage wirkt auf den ersten Blick unklar. Gleichzeitig möchten viele Unternehmen ihre Dokumentation digitalisieren und Druckkosten reduzieren. Ein aktueller Kundenfall zeigt sehr gut, wie diese Fragen in der Praxis aussehen. Und wie wichtig eine saubere Dokumentationsstrategie sein kann.

Warum das Thema wichtig ist
Immer mehr Hersteller möchten ihre technische Dokumentation digital bereitstellen.
Die Gründe sind nachvollziehbar:
steigende Druckkosten
viele Sprachversionen
häufige Produktänderungen
wachsende Anforderungen an Aktualität
Digitale Dokumentation bietet hier klare Vorteile. Inhalte lassen sich schneller aktualisieren und einfacher bereitstellen. Gleichzeitig stellen sich viele Unternehmen eine zentrale Frage:
Erfüllt eine digitale Anleitung wirklich alle gesetzlichen Anforderungen?
Ein Praxisfall aus einem unserer Projekte zeigt, wie wichtig eine klare rechtliche Einordnung ist.
Praxisfall: Digitalisierung der Dokumentation bei einem Hersteller
Ein bestehender Kunde vertreibt Verbraucherprodukte europaweit über Händler und direkt an Endkund:innen. Im Dezember 2024 haben wir gemeinsam die gesamte Dokumentation überarbeitet und digitalisiert. Die Inhalte werden heute über das Redaktionssystem codo verwaltet.
Seit Januar 2025 verlässt jedes Produkt das Werk mit einem Quick Start Guide.
Die bisherige Situation sah so aus:
etwa 30 Seiten Anleitung pro Sprache
insgesamt 9 Amtssprachen
Durch die neue Lösung konnten wir die Inhalte deutlich optimieren.
Heute enthält der Quick Guide:
alle wichtigen Sicherheitsinformationen
die wichtigsten Bedienhinweise
eine Anleitung zum Zugriff auf die digitale Dokumentation
Das Ergebnis:
45 % weniger Umfang
80 % geringere Druckkosten
Ein großer Erfolg – zumindest zunächst.
Der Konflikt mit der Marktaufsicht
Im Oktober 2025 erhielt der Hersteller Post von der Marktaufsichtsbehörde. Bei einer Stichprobenprüfung wurde eines der Produkte kontrolliert.
Der Vorwurf lautete:
Das Produkt erfülle in seiner aktuellen Form nicht die Anforderungen der Produktsicherheitsverordnung (EU) 2023/988. Insbesondere der Verweis auf digitale Informationen über einen Produktbeileger reiche nicht aus.
Die Behörde kündigte sogar mögliche Maßnahmen an:
Verbot des weiteren Inverkehrbringens
Verbot des Angebots des Produkts
Für den Hersteller hätte das erhebliche Folgen gehabt.
Analyse der rechtlichen Situation
Nach einer ersten Prüfung war uns schnell klar: Die Situation lässt sich rechtlich fundiert klären. Wir haben deshalb eine ausführliche Stellungnahme erstellt und uns dabei auf mehrere Regelwerke bezogen. In unserer Stellungnahme haben wir mehrere Punkte klar dargestellt.
Der Quick Start Guide enthält bereits:
wichtige Sicherheitsinformationen
grundlegende Bedienhinweise
klare Hinweise auf die digitale Dokumentation
Damit erfüllen wir die Anforderungen der Produktsicherheitsverordnung. Die digitale Dokumentation ergänzt diese Informationen. Zusätzlich bieten wir Kund:innen die Möglichkeit, eine gedruckte Anleitung anzufordern, wenn kein digitaler Zugriff möglich ist.
Unter Berücksichtigung von:
Zielgruppe
Produktlebenszyklus
Nutzungsszenarien
geltenden Normen



Kommentare