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Digitaler Produktpass: Was Hersteller jetzt wissen müssen

  • 20. März
  • 4 Min. Lesezeit

Der Digitale Produktpass wird ein zentraler Bestandteil der europäischen Kreislaufwirtschaft. Was heute noch nach Zukunft klingt, wird in den kommenden Jahren für viele Produkte verpflichtend. Unternehmen müssen künftig deutlich mehr Informationen zu ihren Produkten bereitstellen. Dazu gehören Daten zu Materialien, Komponenten, Nachhaltigkeit und Nutzung über den gesamten Lebenszyklus. Für Technische Redaktionen und Hersteller bedeutet das: Produktinformationen müssen strukturiert, digital und maschinenlesbar vorliegen.


Wir zeigen Ihnen in diesem Beitrag, wie der aktuelle Stand aussieht und wie Sie sich Schritt für Schritt auf den Digitalen Produktpass vorbereiten können.


Durchsichtige Plakette mit der Aufschrift "DIGITAL Productpass" auf grünem Schaltkreis-Hintergrund, futuristisches Design.


Wozu das Ganze?
Die EU verfolgt ein klares Ziel: Europa soll bis 2050 klimaneutral werden. Ein zentraler Baustein dafür ist die Kreislaufwirtschaft. Produkte sollen länger genutzt, repariert und recycelt werden. Dafür benötigen alle Beteiligten entlang eines Produktlebenszyklus zuverlässige Informationen über Materialien, Komponenten und Nutzung.
Der Digitale Produktpass bündelt genau diese Informationen. Die EU plant damit eine transparente Einsicht in die Materialen, Reparaturmöglichkeiten und Recyclingvorgaben. Zudem soll die Marktüberwachung von diesen Daten profitieren. Damit wird der Produktpass zur zentralen Informationsquelle über den gesamten Produktlebenszyklus.

Der aktuelle Stand 
Der Digitale Produktpass wird schrittweise eingeführt. Die erste konkrete Umsetzung betrifft Batterien. Der sogenannte Batteriepass wird ab 2027 verpflichtend für alle Produkte, die eine Batterie mit min. 2 kWh Kapazität beinhalten. Weitere Produktgruppen werden Textilien, Elektrogeräte, Eisen & Stahl und Kunststoffe sein. Für Branchen wie Maschinenbau, Anlagenbau oder Fahrzeugtechnik existieren aktuell noch keine festen Termine. Trotzdem sollten sich Unternehmen frühzeitig mit dem Thema beschäftigen.

Wie der Digitale Produktpass funktioniert

Der Digitale Produktpass sammelt Informationen aus verschiedenen Quellen. Ein Hersteller übernimmt zunächst die Produktpässe seiner Zulieferer. Danach ergänzt er eigene Informationen zum Endprodukt. So entsteht eine umfassende Datensammlung.
Grob zusammengefasst kann man folgende Themenbereiche definieren:

  • Materialinformationen
  • technische Produktdaten
  • CO₂-Fußabdruck
  • Sicherheitsinformationen
  • Wartungs- und Serviceinformationen

Die Hauptaufgabe des digitalen Produktpasses besteht darin, all diese Informationen in einem standardisierten, maschinenlesbaren Format zu sammeln und an verschiedenen Punkten auszugeben. Der digitale Produktpass muss jeder Zielgruppe, die im Laufe des Produktlebenszyklus mit dem Produkt in Kontakt kommt, zur Verfügung stehen. Dazu gehören Marktaufsichtsbehörden, Servicebetriebe, Recyclingunternehmen und Endanwender.

Der Zugang zu den Informationen kann über verschiedene Wege erfolgen. Typischerweise können Anwender oder Servicetechniker über einen QR-Code, der sich am Produkt befindet, den Produktpass aufrufen. Zudem muss der Zugriff aber auch für Behörden und Organe, die keinen direkten Produktzugriff haben, möglich sein.

Damit Ihr Produktpass auf den verschiedenen Plattformen und Kanälen abrufbar ist, müssen standardisierte Formate und Programmiersprachen verwendet werden.
Besonders relevant sind dabei:

  • Asset Administration Shell (IEC 63278) Ein Datenmodell für digitale Zwillinge von Produkten und Maschinen.
  • IEC 61406 – Digitales TypenschildDefiniert Identifikationslinks wie QR-Codes für digitale Produktinformationen.
  • ECLASSStandard für Produktklassifikation und technische Merkmale.
  • iiRDSStandard für strukturierte technische Dokumentation.
  • VDI 2770Format für digitale Betriebsanleitungen im Maschinenbau.
  • GS1-StandardsGlobale Standards für Produktidentifikation und Datenmanagement.

Unternehmen können unterschiedliche Standards kombinieren. Wichtig ist, dass Systeme interoperabel zusammenarbeiten.

Das digitale Typenschild als Eingangstor
Das Digitale Typenschild ist im Grunde der Einstieg in die digitale Produktinformation. Dabei befindet sich auf dem Produkt ein QR-Code oder ein ähnlicher Identifikationslink. Dieser Code führt zu einer Webseite oder Plattform mit den produktspezifischen Informationen. Diese Plattform kann beispielsweise ein Content Delivery Portal sein, über dem Kunden den digitalen Produktpass, die Nutzungsinformationen und weitere Servicekanäle aufrufen kann. So dient das digitale Typenschild also als Zugang zum Digitalen Produktpass.
In diesem Konstrukt sieht man nun auch, wie die einzelnen Bausteine ineinandergreifen. Das digitale Typenschild dient als Link zwischen dem Produkt und den digitalen Informationen. Über das digitale Typenschild öffnet sich ein Content Delivery Portal, von dem aus der Nutzer sämtliche Inhalte aufrufen kann. Vom digitalen Produktpass, über die Betriebsanleitung bis hin zu weiteren Servicekanälen oder Onlineshops zur Ersatzteilbeschaffung.

Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Einführung des Digitalen Produktpasses bringt einige Herausforderungen mit sich.

  1. ProduktdatenDer digitale Produktpass fordert eine Vielzahl an Informationen die produktabhängig, strukturiert und maschinenlesbar zur Verfügung stehen müssen. Diese Informationen müssen vorhanden sein, um einen Produktpass aufbauen zu können. Gerade bei Produkten mit vielen Zulieferkomponenten ergibt sich die Aufgabe, diese Informationen von den Zulieferern einzufordern und in die eigenen Systeme einzupflegen.
  2. DatenstandardUm die Anforderung der Maschinenlesbarkeit zu erfüllen, müssen sämtliche Inhalte digital und standardisiert abliegen. Als Sammelbecken für diese Informationen bietet sich meist ein PIM-System an.
  3. Digitale DokumentationDa der Produktpass auch Sicherheitshinweise beinhaltet, ist es ratsam, die gesamte Technische Dokumentation zu digitalisieren. Das ermöglicht die Vernetzung der Inhalte und Kanäle miteinander und vor allem können dann Inhalte automatisiert übernommen werden.
  4. IT-LandschaftUm diese Informationsflut effizient und möglichst fehlerfrei zu managen, ist eine leistungsfähige IT-Landschaft essenziell. Neben einem PIM-System, in dem die Informationen abliegen, benötigen Sie weitere Tools für die Erstellung von digitalen Typenschildern, digitalen Dokumentationen und zur Ausgabe des digitalen Typenschilds. Damit ein effizienter Workflow entsteht, ist es ratsam, diese Systeme miteinander zu verknüpfen, um die Informationsübernahme und -ausgabe systemübergreifend zu ermöglichen.
  5. Erfahrungsgemäß unterschätzen viele Unternehmen den Aufwand dieser Umstellung. Deshalb lohnt es sich, früh mit der Vorbereitung zu beginnen.

Fazit
Der Digitale Produktpass wird in den kommenden Jahren für viele Branchen verpflichtend. Unternehmen müssen künftig deutlich mehr strukturierte Produktinformationen bereitstellen. Auch wenn aktuell noch kein Zeitdruck besteht, lohnt sich eine frühzeitige Vorbereitung. So lassen sich Prozesse Schritt für Schritt anpassen. Als Dienstleister und Berater unterstützen wir Hersteller bei der Vorbereitung und der schrittweisen Digitalisierung Ihrer Informationen bis hin zur Einführung des digitalen Produktpasses in Ihrem Unternehmen.

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